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Magersucht, Stalking, Depressionen: Ratschläge in Internet-Foren mit Vorsicht genießen |
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Neben der Informationsbeschaffung steht vor allem
die Interaktion im Mittelpunkt der Internet-Aktivitäten der Deutschen. Vom
Mailen, Chatten und Bloggen bis hin zum Erfahrungsaustausch in so genannten
Diskussionsforen reicht die Palette der Anwendungsmöglichkeiten im
weltweiten Datennetz. Mit dem Web 2.0 wird diese Interaktion künftig noch
weiter forciert.
Internet-Nutzer sollten ihren vermeintlichen Online-Gesprächspartnern
allerdings mit einem gesunden Maß an Misstrauen begegnen. Vor allem Surfer,
die auf das weltweite Datennetz zur Lösung privater Probleme zurückgreifen,
geraten allzu schnell in die falschen Hände. Davor warnt die von der
deutschen Internet-Wirtschaft gegründete Sicherheitsinitiative "no abuse in
internet" (naiin) unter Verweis auf die hohe Zahl an vermeintlichen
"Expertenforen".
Derartige Foren gibt es zu diversen Themen: Ob rechtliche Fragen,
Magersucht, Selbstmordgedanken, Stalking oder gesundheitliche Probleme,
diskutiert wird fast alles und in der Regel finden sich gleich zahllose
Ansprechpartner, die ganz erpicht darauf sind, Hilfesuchenden Ratschläge zu
erteilen. "Was viele Internet-Nutzer aber nicht beachten, ist, dass die
Personen, die in derartigen Online-Foren Rat erteilen, in der Regel keine
Fachexperten sind", gibt naiin-Geschäftsführer Dennis Grabowski zu bedenken.
Gerade vorgebliche Opferschutzforen oder Diskussionsplattformen für
Suizidgefährdete oder Magersüchtige seien brandgefährlich. "Wir sind auf
Diskussionsforen zum Thema "Stalking" gestoßen, in denen Hilfe suchende
Menschen regelrecht in eine Opferrolle hineingedrängt wurden. Auch die
rechtlichen Ratschläge zum Thema waren mehr als dürftig", schildert
Grabowski aus seinem Arbeitsalltag. Es sei nicht auszuschließen, dass sich
zum Teil sogar Stalker beratend in derartigen Foren engagieren. "Auf anderen
Diskussionsplattformen wird zum Teil erheblicher Druck auf Suizidgefährdete
und Magersüchtige ausgeübt", warnt der naiin-Chef.
Als lebensgefährlich könnte sich hingegen schon der Besuch eines Forums zur
Behandlung von Krankheiten herausstellen. "Wir sind in solchen Foren
mehrfach auf Vorschläge zur Einnahme und Kombination von Medikamenten
gestoßen. Nutzer, die derartige Ratschläge ohne vorherige Konsultation eines
Arztes befolgen, spielen mit ihrem Leben", erläutert naiin-Präsident Arthur
Wetzel. "In vielen Fällen wurden auch Medikamente vorgeschlagen, die für den
deutschen Markt - zum Teil aus gutem Grund - gar nicht zugelassen sind."
naiin rät allen Internet-Nutzern sich mit ihren Problemen grundsätzlich
offline an fachlich qualifiziertes Personal zu wenden. "Es kann natürlich
hilfreich sein, sich vorab auf Informationsseiten im Web zu informieren und
nach persönlichen Ansprechpartnern zu recherchieren", macht Wetzel auf die
positiven Seiten des weltweiten Datennetzes aufmerksam. "Die Beratung an
sich sollte allerdings ausschließlich in einem persönlichen Gespräch
außerhalb des Internets stattfinden."
Über naiin - no abuse internet
no abuse in internet - naiin - der Verein gegen Missbrauch im Internet -
wurde im August 2000 gegründet und widment sich der Bekämpfung von
Internet-Kriminalität. Zu den Gründungsmitgliedern zählen namhafte Personen,
Organisationen und diverse Unternehmen der IT-Branche. So waren u.a. die
Berliner STRATO AG, der Provider 1&1 sowie die Domain-Registrierungsstelle
DENIC an der Gründung des Vereins beteiligt. Schirmherr von naiin ist Prof.
Dr. Helmut Thoma, früherer Chef des Privatsenders RTL.
Seit November 2000 unterhält naiin die Meldestelle "netwatch". Bei dieser
können Internet-Nutzer rechtswidrige Internet-Inhalte beanstanden. In seiner
Eigenschaft als Institution der Freiwilligen Selbstkontrolle geht naiin den
eingehenden Hinweisen nach und ergreift technische sowie juristische
Maßnahmen gegen rechtswidrige Inhalte und deren Urheber. Hinweise nimmt
naiin unter www.naiin.org oder via E-Mail an netwatch@naiin.org entgegen.
25.07.2006
(Quelle: naiin - no abuse in internet e.V.)
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